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Kommentare

Jenu ...
... Gögöl hatte es eigentlich sehr genau kommen sehen...
goegoel - 21. Jun, 18:31
Ohje...
... das ist sicherlich ein ganz harter Schlag für Gögöl......
svashtara - 21. Jun, 16:04
Ach, Goegoel
fühlt sich eigentlich sehr wohl in seiner Nachbarschaft....
goegoel - 13. Jun, 23:43
Scheußliche Wohngegend
Ne Goegoel, der Nachbarschaft würde ich langsam entfliehen...
AFRHG (Gast) - 10. Jun, 23:17
Gögöl hat ...
... das wohl schon bei anderen gesehen. Allerdings...
goegoel - 9. Jun, 22:16

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Donnerstag, 24. Mai 2007

Tag 10

Gögöl mag die Nächte. Aber noch lieber mag Gögöl warme Nächte, solche wie heute. Dann geht er auf die Straße und tanzt mit den Tangokindern.
Tangokinder gibt es eigentlich das ganze Jahr über, aber in warmen Nächten und vor allem dann an Wochenenden ist die Stadt voll von ihnen. Sie strömen nach Mitternacht aus den Gasthäusern auf die Straße und tanzen nach unhörbaren Melodien. Und Gögöl freut sich, wenn sie in nicht endenwollenden Drehungen und Wiegeschritten auf den Wegen tanzen. Er lässt sich anstecken und dreht sich ebenfalls im Kreise, auch wenn er nichts hört.
Anfangs hatte Gögöl ein wenig Angst vor ihnen, aber bald merkte er, dass die Tangokinder ihm nichts tun. Sie nehmen ihn nicht einmal wahr. Ihre Augen blicken durch ihn hindurch, so sehr sind sie verträumt in ihrer Musik.
Manchmal drehen sie sich so toll, dass sie fallen. Wenn Gögöl das sieht, dann läuft er schnell zu ihnen und hilft ihnen wieder auf. Denn wenn man ihnen nicht hilft, dann schlafen die Tangokinder dort ein, wo sie gerade liegen, und manchmal wachen sie nie wieder auf. Die Tangokinder sind schön, weiß Gögöl, aber auch verletzlich wie Schmetterlinge.

Mittwoch, 23. Mai 2007

Tag 11

Was war das für ein Krach heute morgen! Schon um fünf Uhr wurde Gögöl geweckt. Draußen unter seinem Fenster stand ein Umzugswagen, und kräftige Männer trugen verschiedene Möbel aus Gögöls Nachbarwohnung auf die Straße. Gögöl öffnete das Fenster und schaute neugierig hinaus. Nebenan war ebenfalls das Fenster geöffnet. Frau I. stand dort und blickte zu ihm hinüber.
"Guten Morgen", rief Gögöl, "was ist denn los?"
"J. zieht zu seiner Freundin! Ist er nicht ein Schwein?" schimpfte I.
Das verwirrte Gögöl sehr. J. war der Mann von Frau I. und sicher kein Schwein, denn Gögöl kannte Schweine aus dem Zoo. Außerdem fand er es seltsam, dass J. zu seiner Freundin zog, wo er doch eine Frau hatte.
Frau I. schien beim Umzug helfen zu wollen. Sie warf allerlei Sachen aus dem Fenster, die J. fluchend aufsammelte. Irgendwann fand I. wohl keine Sachen mehr und schleuderte Worte hinunter. Die meisten kannte Gögöl nicht, aber sie klangen sehr lustig. Viele Nachbarn hatten nun ebenfalls ihre Fenster geöffnet und riefen auch komische Wörter. Es war ein toller Krach in der Straße, denn alle schrien lauthals, dass man um die Uhrzeit nicht schreien dürfe.
Bald wurde es Gögöl zu laut, und er machte das Fenster wieder zu. Es dauerte noch eine halbe Stunde, bis der Umzugswagen mit J. davonfuhr, dann herrschte Ruhe.
Es war eine extrem laute Ruhe. Gögöl empfand das jedenfalls so. Die Nachbarwohnung war still, kein Streit von I. und J. war zu hören, denn J. war ja nun bei seiner Freundin und stritt sich mit der.
Auf einmal wurde Gögöl gewahr, wie sehr er sich an das ewige Gezänk seiner Nachbarn gewöhnt hatte. Es fehlte ihm entsetzlich. Und als er es nicht mehr aushielt, ging er aus, um Streit zu suchen. Er fand ihn schließlich in einem Kaufhaus. Dort stand ein kleiner Kasten mit einer Glasscheibe, und hinter der Scheibe standen zwei kleine Menschen, die sich stritten. Nun konnte Frau I. schweigen wie sie wollte, Gögöl hatte Streit auf Knopfdruck.

Dienstag, 22. Mai 2007

Tag 12

Spinne ist heute Nachmittag gestorben. Gögöl hatte schon morgens ein ungutes Gefühl, als er seine kleine Mitbewohnerin begrüßte. Sie sah unglücklich und abgezehrt aus und hing zitternd an einem dünnen Faden. Gögöl legte ihr einen Krümel von seinem Frühstücksbrot ins Netz, denn er glaubte, sie hätte Hunger; aber Spinne untersuchte das Geschenk nicht einmal, wie sie es sonst immer gerne getan hatte.
Weil es regnete, musste Gögöl kurz nach draußen, denn er sammelt ja Tropfen (er hat schon über 300 Stück); und als er zurückkam, war Spinne tot.
Gögöl konnte es gar nicht fassen. Er ließ den Tropfen - und es war ein besonders schöner Tropfen - auf die Erde fallen, wo er zerbrach. Eine Zeit lang hat Gögöl dann wie betäubt auf einem Stuhl gesessen und an Spinne gedacht. Es war eine so schöne Zeit mit ihr gewesen. Nie hatte er sich allein gefühlt. Und jetzt? Er hatte ihr noch soviel zu sagen gehabt.
Schließlich nahm er den toten Körper aus dem Netz und beerdigte ihn zärtlich im Topf seiner Küchenkräuter. Spinne hatte den Basilikum gern gemocht.
Gögöls Augen machten Tropfen wie der Himmel. Und jetzt wusste er auch, warum es so oft regnete. Es tut gut, wenn man weinen kann, dachte Gögöl. Aber er fühlte sich nicht gut, sondern nur traurig.

Montag, 21. Mai 2007

Tag 13

Heute ist Gögöl sehr froh aber auch ein wenig traurig, dass er lesen gelernt hat. Mehr durch Zufall hat er nämlich zu einem Buch gefunden. Er hatte zuvor schon Leute mit Büchern gesehen, wusste aber nie, dass diese als Behälter für Geschichten dienen. Er hat immer gedacht, die Leute halten sich Bücher vor die Gesichter, um ihre Nasen zu verstecken, denn nur wenige Menschen haben hübsche Nasen, findet Gögöl.
Heute aber saß er auf einer Parkbank und fand neben sich ein Buch. Nur aus Spaß (denn Gögöl findet seine Nase außerordentlich ansehnlich) nahm er das Buch in die Hand und schlug es auf. Und er fand darin Zeichen, die zu Wörter wuchsen, aus denen Sätze und mit ihnen Abschnitte und Kapitel gediehen.
Und Gögöl fühlte sich auf einmal, als wäre er in einen Fluss gesprungen, der ihn fort riss. Die Landschaft um ihn her veränderte sich wie durch Zauberhand, unbekannte Menschen tauchten auf, wurden ihm vertraut, verließen ihn wieder. Er sah Königreiche entstehen und sterben. Er rannte durch die Unendlichkeit und tauchte in die Sonne. Dann stieß er plötzlich hart gegen einen Punkt und fand sich auf seiner Parkbank wieder. Das Buch war zu Ende. Wie im Taumel suchte er erneut die erste Seite, um die Geschichte zu wiederholen. Aber er fand keinen Fluss mehr, der ihn fortrug, nur eine Pfütze, die ein farbloses Bild dessen spiegelte, was er eben erlebt hatte.
Er schloss die Seiten des Buches und seufzte bekümmert. Doch als er sich in der Abenddämmerung auf den Heimweg machte, war er doch ganz froh, dass er die Geschichte nicht hatte wieder erleben können. Ansonsten hätte er die Parkbank nie mehr verlassen und die ganze Zeit gelesen. Und die Leute hätten nie mehr erfahren, wie ansehnlich seine Nase ist.
"Es ist gut, wenn man eine hübsche Nase hat", dachte Gögöl und roch in die Wirklichkeit.

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Zuletzt aktualisiert: 25. Jul, 22:52

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