Tag 5

Gögöls Nachbarin, Frau I., hat sich vor zwei Tagen eine Kuh als Haustier angeschafft. Eigentlich unverantwortlich, dachte Gögöl, Kühe gehören auf die Weide, und Frau I. wohnt im 4. Stock eines Mietshauses ohne Aufzug.
Gögöl war aber dennoch neugierig, wie Frau I. mit der Kuh zurechtkam. Würde sie eine Wiese auf dem Balkon oder in der Küche anpflanzen? So ging er sehr gespannt, als er zum ersten Mal von Frau I. eingeladen wurde, das Tier anzusehen. Es war eine Enttäuschung. Die Kuh sah gar nicht aus wie eine Kuh. Sie war viel kleiner und hatte keinen Euter. Statt Hufen hatte sie Pfoten, außerdem muhte sie nicht zu Gögöls Verwirrung, sondern miaute. Frau I. hatte ihre Kuh Muschi getauft. Ein unmöglicher Name für ein so würdiges Tier, dachte Gögöl. Außerdem war er der festen Überzeugung, dass die Kuh krank war bei ihrem seltsamen Aussehen. Es lag bestimmt an der falschen Fütterung, denn Frau I. gab dem armen Tier Katzenfutter anstatt Gras. Er sagte Frau I. aber nichts, weil sie so glücklich war mit ihrer Kuh Muschi, und auch das Tier wirkte recht munter.
Als Gögöl ging, war er so von der Tierbegeisterung seiner Nachbarin angesteckt, dass er wirklich überlegte, sich ebenfalls ein Tier anzuschaffen. Erst gestern hatte er in einer Tierhandlung ein sehr interessantes kleines Pferd gesehen, das bellen konnte.
Er ließ seinen Plan jedoch schnell fallen.
Was will man mit einem kleinen Pferd, das bellt, dachte Gögöl. Reiten kann man es doch ohnehin nicht.
goegoel - 29. Mai, 12:00

